Malta liegt gut zweieinhalb Flugstunden von uns entfernt und ist ein sonniger Inselstaat im Mittelmeer. Die Inselgruppe ist nur etwa 316 km² groß und zählt rund 520.000 Einwohner.
Ein wenig verwundert startet unser Flug pünktlich, leider ist das ja inzwischen schon etwas Besonderes. Eine weitere Besonderheit dieses Flugs: Ich hatte keine Sitzplätze reserviert. Zur Belohnung bekommen wir eine ganze Sitzreihe für uns allein und damit extra viel Platz.
Trotz Handgepäck müssen wir diesmal unsere Koffer wieder abgeben. In Malta stehen sie dann tatsächlich schon vor uns am Gepäckband, und es geht zügig weiter zum Bus. An der Haltestelle des Airport Direct 4 bereue ich bereits, keine kurze Hose eingepackt zu haben. Bei gefühlten 18 Grad warten wir auf den Bus, der uns direkt vor die ummauerte Stadt aus dem 16. Jahrhundert bringt.
Die Gassen in Valletta sind eng und voller Menschen, als wir uns zum ersten Mal auf den Weg zum Hotel machen, warum das so ist, erfahren wir erst später. Über Seitenstraßen kommen wir bis kurz vor unser Hotel. Die Straße ist mit „Vorhängen“ geschmückt, eine Band spielt Marschmusik, und überall drängen sich Menschen.

Leider habe ich bei der Buchung nicht beachtet, dass wir direkt neben einer Kirche übernachten. „Okay“, denkt man sich zunächst. Doch die St.-Pauls-Schiffswrack-Kirche feiert am 10. Februar ihre jährliche Prozession zum Gedenken an den Schiffbruch des Apostels Paulus. Diese Feierlichkeiten ziehen sich allerdings über mehrere Tage durch ganz Valletta – und wir sind mittendrin. In den kommenden Tagen läuten die Glocken des Kirchturms stundenlang am Stück. Schön kann das schon sein … aber vier Stunden Dauergeläut ohne Melodie haben auch ihren ganz eigenen Charakter.
Nach einer kurzen Pause geht es direkt wieder durch die engen Gassen Vallettas in Richtung Hafen. Am Fort St. Elmostarten wir entlang des natürlichen Hafenbeckens, kommen an den Lower Barrakka Gardens vorbei (leider zu diesem Zeitpunkt geschlossen), passieren den alten Fischmarkt Pixkerija und die Schnellboote zur Insel Gozo. Schließlich erreichen wir den King George V Park, von dem aus man den kompletten Hafen überblicken kann.



Der Rückweg führt entlang der alten Maueranlage. Zu Fuß erreichen wir den oberen Teil des Barrakka Lift und genießen noch einmal einen schönen Ausblick über den Hafen von der Saluting Battery. Nach einem kleinen Bier geht es zurück ins Hotel. Den Abend nutzen wir noch für den Einkauf von Grundproviant und schlendern durch die Gassen Valletta.




Am nächsten Morgen starten wir vor der The Malta Experience und warten auf den Malta Hop-On-Hop-Off-Bus. Leider passen weder die Abfahrtszeiten noch die Route zu dem, was im Internet veröffentlicht ist – das werden wir am zweiten Tag noch deutlicher merken.
In Anbetracht dessen, dass die Busse nur bis 14:30 Uhr fahren, steigen wir zum ersten Mal in Marsaxlokk aus, einem kleinen Fischerort. Der nächste Bus soll erst in einer Stunde kommen, also schlendern wir über den Markt direkt an der Promenade.

In dem Gedränge fällt mir auf, wie ein Junge mir permanent folgt und auch an den Stellen, an denen ich stehen bleibe, das Gleiche tut. Beweisen kann ich es nicht, aber Taschendiebe haben hier leichtes Spiel. Bei mir versuchen musste er es gar nicht erst. Nachdem ich mich vor ihm „aufbaue“, haut er ab – Zufall war das keiner.
Trotz dieses Vorfalls schlendern wir noch ein wenig über den überfüllten Markt und steigen schließlich wieder in den nächsten Bus ein. Die Fahrt geht in den Südwesten der Insel zu den Sehenswürdigkeiten Blue Grotto und Ħaġar Qim, danach weiter in den Norden zu den Bettenburgen rund um die Spinola Bucht.
Zurück in Valletta steigen wir vor den Toren der Stadt aus und laufen abermals durch die engen Gassen. Der Grund für die Menschenmassen: Der Karneval hat begonnen. Auf dem St.-Georgs-Platz sind Tribünen aufgebaut, und Tanzgruppen präsentieren ihr Programm zu sehr lauter Musik. Ein paar Straßen weiter feiern die Pilger die Prozession zur St.-Pauls-Schiffswrack-Kirche.
Am 3. Tag gehen wir zunächst zu Fuß vor die Tore von Valletta. Von dort aus startet unsere Hop-on-Hop-off-Tour in den Norden der Hauptinsel Maltas. An der Rotunda of Mosta fahren wir nur vorbei; unser erster Stopp ist bei Valletta Glass. Danach geht es durch den Ta‘ Qali National Park bis zur Glasbläserei von Mdina Glass.
Laut Hop-on-Hop-off-Plan soll uns der Bus hier auch wieder abholen. Mein Bauchgefühl sagt allerdings etwas anderes – und ich behalte leider recht: Der Bus umfährt diesen Stopp großräumig. Ehrlich gesagt ist das ziemlich ärgerlich, denn verlassen kann man sich darauf offenbar nicht, vor allem wenn der Bus nur etwa einmal pro Stunde fährt.
Weiter geht es nach Mdina, der wunderschönen ehemaligen Hauptstadt Maltas. Mdina ist eine mittelalterliche, von mächtigen Mauern umgebene Stadt im Zentrum von Malta. Die engen, ruhigen Gassen und die historische Architektur haben ihr den Beinamen „Silent City“ eingebracht. Wir schlendern durch die kleinen Gassen, durch die gerade einmal ein Kleinwagen passt. Vom Aussichtspunkt hat man einen tollen Blick über den nördlichen Teil von Malta.







Danach fahren wir im Regen weiter an der Golden Bay vorbei, anschließend zu den Salinen bei St. Paul’s Bay. Entlang der Nordküste der Insel geht es schließlich zurück nach Valletta.
Am 4. Tag starten wir am Terminal der Valletta Fast Ferry und fahren mit der Schnellfähre etwa 45 Minuten nach Gozo. Die Route führt entlang der Nordwestküste von Malta und an Comino vorbei. Bei ordentlich Seegang ist die Fahrt ziemlich abwechslungsreich.
Nur ein paar Meter vom Terminal entfernt leihen wir unsere Fahrräder aus. Neben uns warten noch weitere Leute auf ihre gemieteten Räder. Erst nach kurzer Nachfrage bekommen auch wir schließlich unsere Fahrräder. Zunächst machen wir uns ein wenig mit ihnen vertraut, bevor wir den recht steilen Weg hinauf zur Kirche von Church of Our Lady of Loreto in Għajnsielem in Angriff nehmen.

Eigentlich wollten wir einmal über die ganze Insel fahren, doch unsere Fahrräder sind leider ziemlich heruntergekommen. Deshalb bleiben wir auf kleineren Nebenstraßen – wahrscheinlich gibt es hier ohnehin nicht viele Alternativen – und fahren in Richtung Marsalforn. Entlang der Küste geht es vorbei an den bekannten Salzpfannen.


An der St. Corpus Christi Kirche entscheiden wir uns schließlich, wegen der schwachen Akkus unserer Räder direkt nach Victoria zu fahren. Dort besuchen wir die Cittadella, die hoch über der Stadt liegt. Von der im 16. Jahrhundert ausgebauten Festungsanlage hat man einen beeindruckenden Blick über die Insel Gozo.

Nachdem wir noch ein kleines Mitbringsel besorgt haben, geht es zurück zum Hafen. Nach etwas Wartezeit bringt uns die Fähre schließlich wieder nach Valletta und können den Barrakka Lift nutzen.
Wir sind inzwischen ziemlich erschöpft und werden am Abend nur noch vom Läuten der Kirchenglocken wach gehalten.
Am 5. Tag beginnt der Morgen eher chaotisch. Bereits am Vorabend hat die Gewerkschaft von Lufthansa Streiks angekündigt, weshalb ich schon versucht hatte, über unseren Reiseanbieter eine Lösung zu finden. Am Morgen fordert uns die Airline trotzdem noch zum Check-in auf – also hoffen wir zunächst, dass der Flug vielleicht doch stattfinden kann.
Mit einem kleinen Boot fahren wir von Valletta nach Sliema und machen dort eine etwa zweistündige Hafenrundfahrt rund um den Grand Harbour von Valletta. Gegen Mittag kommen wir wieder in Sliema an – und sehen kurz darauf tatsächlich die Annullierung unseres Fluges für den nächsten Tag.



Ich versuche daraufhin, über den Chatbot der Lufthansa die von der Airline verlangte Umbuchung vorzunehmen, doch alles ist völlig überlastet. Deshalb beschließen wir erst einmal, den Tag weiter zu nutzen. Mit dem Hop-on-Hop-off-Bus fahren wir nach Vittoriosa und laufen von dort entlang der Küste des Hafens bis nach Kalkara. Währenddessen versuche ich immer wieder, eine Umbuchung zu erreichen.

Schließlich entscheiden wir uns, ab dem Esplora Interactive Science Centre noch eine südliche Hop-on-Hop-off-Tour zu machen, bevor es zurück ins Hotel gehen soll. Durch das ganze Umbuchungschaos vergesse ich allerdings, dass die Busse hier nur bis etwa 14 Uhr fahren. Wir kommen kurz nach zwei an der Haltestelle an und warten auf den Bus – der natürlich nicht mehr kommt.

Also laufen wir zum Terminal des Valletta Ferry Service in Cospicua. Dort haben wir gleich mehrfach Glück: Die Fähre kommt nach kurzer Wartezeit – und kurz darauf gelingt es mir endlich, unsere Flüge über Munich umzubuchen, ohne dass zusätzliche Kosten entstehen. 🚢✈️
Am 6. Tag startet unser Rückreisetag deutlich früher als ursprünglich geplant. Zuerst fliegen wir von Malta nach Munichmit Lufthansa City Airlines. Das Flugzeug ist recht gut gefüllt, aber nicht komplett ausgebucht.
In München müssen wir anschließend mit dem Bus das Terminal wechseln. Dort herrscht eine fast gespenstische Ruhe – die Terminals sind wegen der Streiks ungewöhnlich leer. Zum Mittagessen gönnen wir uns eine Leberkässemmel, vermutlich eine der teuersten, die man sich vorstellen kann.
Gegen 17 Uhr geht es dann weiter nach Frankfurt – diesmal in einem ziemlich überfüllten Flugzeug.
Fazit: Malta eignet sich hervorragend für eine Städtereise, am besten jedoch außerhalb der heißen Sommermonate. Einen Hop-on-Hop-off-Bus braucht man auf der Insel eigentlich nicht, denn das öffentliche Verkehrsnetz ist sehr gut ausgebaut und außerdem erstaunlich günstig.
