Auf die Lofoten habe ich mich besonders gefreut. Nach Reisen nach Island, Kanada und zuletzt Schottland war die Vorfreude auf unberührte Natur und wohltuende Ruhe riesengroß.

Bereits um 6 Uhr brechen wir zur nahegelegenen Fähre auf – für meinen Geschmack viel zu früh. Wie so oft sind wir unter den Ersten, doch schon bald füllen sich die Reihen zügig. Um Punkt 7 Uhr legt die Fähre ab. Die Route führt uns zunächst durch den Hafen, vorbei an einer engen Kurve zwischen der Festung Nyholmen Skandse und der kleinen Insel Hjartøya, bevor wir das offene Meer erreichen. Die Überfahrt ist schaukelig und kalt, nach rund 3,5 Stunden erreichen wir schließlich Moskenes.
Unser erstes Ziel ist Å i Lofoten, das südlichste Dorf der Lofoten. Schon auf dem riesigen Parkplatz wird uns klar: Die Lofoten sind gut besucht. Wir schlendern über die Holzstege zwischen den Häusern direkt am Wasser und entdecken die ersten Stockfische, die traditionell auf hölzernen Gestellen zum Trocknen aufgehängt sind.



Die erste Nacht auf den Lofoten verbringen wir in Reine. Der offizielle Stellplatz für Wohnmobile ist voll – eigentlich viel zu voll. Also zieht es uns, wie so oft, ans Wasser und ein wenig abseits vom Trubel. Eine Kreuzfahrtgruppe, offenbar vom Schiff National Geographic, hat sich ebenfalls im Ort verteilt. Das Dorf besteht größtenteils aus Ferienhäusern und Trockengestellen für Stockfisch. Den berühmten Fotospot am Reinebringen lassen wir heute aus – zu viele Menschen, zu wenig Ruhe.



Am nächsten Morgen brechen wir recht früh auf. Unser erstes Ziel ist ein kleiner Fischhändler auf der Insel Sakrisøya. Leider werden wir dort nicht fündig – aber die Landschaft ist atemberaubend schön. Nur knapp zwei Kilometer weiter erreichen wir den wohl bekanntesten Fotospot der Lofoten: Hamnøy. Das verschlafene Dorf wirkt fast wie aus einer anderen Zeit, doch auch hier bestehen viele der Häuser mittlerweile nur noch aus Ferienunterkünften. Nach ein paar Fotos geht es weiter entlang der E10 bis zum Rambergstranda, wo wir uns ein wenig die Beine vertreten.

Am Skagsanden Beach spüren wir zum ersten Mal deutlich die Auswirkungen des Massentourismus. Der Parkplatz ist riesig – und trotzdem gut gefüllt. Der angrenzende Campingplatz breitet sich entlang des Strands aus. Auch wir spazieren ein Stück am Wasser entlang, doch das Gefühl von Einsamkeit bleibt aus.
Nach einem kurzen Abstecher in die Glasbläserei von Vikten fahren wir weiter zum Hauklandstrand. Inzwischen wurde hier ein Funktionsgebäude errichtet und ein großer, asphaltierter Parkplatz angelegt – und der ist proppenvoll. Vom Parkplatz aus laufen wir entlang der Küste bis zum Vik-Strand und wieder zurück. Wäre es nicht knapp 15 Grad könnte sich in die Karibik träumen, so schön ist es hier. Erst später entdecken wir, dass es einen wunderschönen Wanderweg entlang der Küste bis nach Uttakleiv gibt. Spät am Abend nehmen wir zumindest noch ein Teilstück davon in Angriff. Wer die gesamte Strecke gehen möchte, kann entweder durch den Autotunnel – ausgestattet mit Warnweste – oder über den Pass wandern.

Am nächsten Tag fahren wir zum kleinen Hafen Hovsund, in der Hoffnung, etwas mehr Ruhe zu finden. Doch bereits auf dem kleinen Parkplatz steht ein deutsches Wohnmobil – mit dem Slogan meines Arbeitgebers. Die Personen kenne ich allerdings nicht. Wir schlendern entlang der Hafenmauer und überlegen, weiter in den Norden Richtung Nordkap zu fahren – in der Hoffnung, dort wieder mehr Einsamkeit zu erleben.
Spätestens in Henningsvær wird uns klar: Wir wollen die Lofoten verlassen. Die Stadt platzt aus allen Nähten. Autos, Wohnmobile, Menschen – soweit das Auge reicht. Ja, wir sind ebenfalls Teil dieses Massentourismus, doch genau so habe ich mir Norwegen – und vor allem die Lofoten – nicht vorgestellt. Wie es hier wohl erst in der Hochsaison im Sommer aussieht, mag ich mir gar nicht ausmalen. Wir spazieren noch zum wohl bekanntesten Fußballplatz Norwegens. Die Drohne bleibt allerdings am Boden – mindestens vier andere sind bereits in der Luft. Ruhe? Fehlanzeige. Der Ort ist zweifellos schön, aber voll und ganz auf Touristen ausgerichtet.

Eigentlich war der Plan, von Svolvær aus nach ein oder zwei Wochen auf den Lofoten langsam die Heimreise anzutreten. Doch nun fahren wir einfach vorbei – und steuern stattdessen Stokmarknes an, wo wir das Hurtigruten-Museum besuchen. Eine klare Empfehlung!



Optional hätten wir noch weiter nach Andøya fahren können – ob es dort oben ruhiger gewesen wäre, bleibt ungewiss. Dass es hier im hohen Norden Anfang Juni schon so voll ist, hätte ich nicht erwartet. Landschaftlich sind die Lofoten zweifellos wunderschön, aber stellenweise fühlen sie sich an wie ein nordisches Disneyland. Ob es abseits der bekannten Pfade noch ruhigere Ecken gibt, kann ich nicht sagen. Doch eines ist sicher: Ich möchte irgendwann noch einmal zurückkehren – allerdings zu einer anderen Jahreszeit.
Jetzt aber geht es weiter Richtung Nordkap.
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