Das Nordkap – oft als der nördlichste Punkt des europäischen Festlandes bezeichnet – war ursprünglich gar nicht unser Ziel. Nachdem uns die Lofoten viel zu überlaufen waren und wir noch ausreichend Zeit hatten, beginnt unser Nordkap-Abenteuer in Stokmarknes auf den Lofoten. Rund 850 Kilometer trennen uns noch vom Ziel. Wir setzen uns ein Limit: maximal drei Tage. Schaffen wir es in dieser Zeit nicht, geht’s wieder Richtung Süden – oder zurück auf die Lofoten.

In Bjerkvik wechseln wir von der E10 auf die nordwärts führende E6. Auffällig ist: je weiter wir fahren, desto häufiger begegnen uns militärische Anlagen – vom Flughafen Bardufoss bis zu Militärfahrzeugen mitten in der Landschaft. Die Natur ist dennoch atemberaubend. Die Strecke zieht sich entlang wunderschöner Fjorde, und in Burfjord finden wir spontan einen ruhigen Übernachtungsplatz.

Am nächsten Morgen geht es im Regen weiter auf der E6 – vorbei an weiteren Fjorden. Nach Alta steigt die Straße an, wir fahren ins Gebirge. Die Landschaft ist schneebedeckt, es regnet ununterbrochen. Der Leirbotnvannet-See liegt noch unter Eis, Skimobil-Spuren sind darauf zu erkennen. Nebel und dampfendes Eis erschweren die Sicht – wäre es trocken, wäre dies ein perfekter Ort für einen Drohnenflug.

An der Abzweigung nach Hammerfest vorbei geht es weiter Richtung Olderfjord, wo wir auf die E69 und damit entlang des beeindruckenden Porsangerfjords fahren. In Honningsvåg stocken wir unsere Vorräte im örtlichen Rema 1000 auf. Danach geht es weiter Richtung Norden. Nach dem Nordkapp Campingplatz und der riesigen Hotelanlage windet sich die Straße weiter hinauf – es regnet wieder.

Am Knivskjelodden-Parkplatz liegt Schnee. Von hier führt ein Wanderweg zum tatsächlich nördlichsten Punkt Europas – bei dem Wetter für uns jedoch keine Option. Also fahren wir weiter auf das Hochplateau des Nordkaps.

Bei unserer Ankunft wird gerade die Einfahrt zum Parkplatz umgebaut, eine Gebühr scheint es aktuell nicht zu geben – zumindest sitzt niemand am Schalter. Mit etwas Glück ergattern wir einen Stellplatz in der ersten Reihe, mit direktem Blick auf den Knivskjelodden.

Es stürmt und regnet. Nach einer kurzen Pause wollen wir zur bekannten Nordkap-Kugel. Zuvor bringen wir unsere Starlink Mini wieder problemlos ans Laufen.

Erstaunt stellen wir fest, wie viele Wohnmobile hier stehen – zwischen 200 und 300 Camper verschiedenster Art! Wahnsinn. Zudem kommen noch zahlreiche Busreisende, teils von Kreuzfahrtschiffen. Wir machen schnell ein paar Fotos und planen, später noch einmal wiederzukommen, wenn es ruhiger ist. Dank der Mitternachtssonne kein Problem – es bleibt rund um die Uhr hell.

Ein kleines Highlight: Ein Camper aus Südkorea ist hier – was für eine Strecke! Auf dem Weg aus Honningsvåg meine ich sogar noch einen zweiten aus Südkorea gesehen zu haben. Neben Werbung für National Geographic und Discovery Channel erfahren wir leider nicht mehr.

Leicht durchgefroren besuchen wir die Nordkaphalle. Fazit: Die 30 Euro Eintritt sind unverschämt. Der „Museumsteil“ ist kleiner als der Wikipedia-Artikel. Ohne Eintritt kein Zugang zu Souvenirshop oder Restaurant – deren Preise sind ebenso happig.

Gegen halb neun abends gehen wir erneut zur Nordkap-Kugel. Jetzt sind wir fast allein, der Regen hat aufgehört und der Wind lässt nach. Wir genießen den Moment, machen viele Fotos und fallen später müde, aber zufrieden ins Bett.

Am nächsten Morgen, kurz nach acht, verlassen wir das Nordkap – keine 18 Stunden nach Ankunft. Hat sich der Besuch gelohnt? Jein. Wir waren am fast nördlichsten Punkt Europas – das allein ist beeindruckend. Ob es die weite Reise wert ist, muss jeder selbst entscheiden. Es ist verdammt weit für einen Felsen und eine Metallkugel.

Wir fahren das Hochplateau wieder hinunter, begleitet von Rentieren, die sich auf der Straße wärmen. Die Sonne scheint – ein kurzer Moment perfektes Wetter, bevor die nächsten Regenwolken aufziehen. Die Strecke entlang des Porsangerfjords zeigt sich jetzt in voller Pracht.

Am Sarvesjok bru nutze ich die Gelegenheit für einen Drohnenflug über den noch gefrorenen See. Die Winterlandschaft im Juni ist einfach umwerfend.

Weiter Richtung Süden geht es ab Alta auf der E45 durch einen beeindruckenden Canyon. Leider finden wir keinen geeigneten Parkplatz für einen weiteren Drohnenflug durch diese dramatische Szenerie.

In Kivilompolo überqueren wir die Grenze und sind wieder in der EU – Finnland! Mein erster richtiger Besuch, zuvor war ich nur auf den politisch autonomen Åland-Inseln. In Kolari tanken wir günstig – die Preise sind deutlich niedriger als in Norwegen oder Schweden. Nach wenigen Kilometern verlassen wir Finnland wieder.

Nach 625 Kilometern erreichen wir abends Pajala in Schweden. Auf dem Campingplatz freuen wir uns über die erste warme Dusche nach Tagen.

Weiter geht es durch Lappland in den Süden

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